Es ist soweit – Generationenwechsel

Daniel Wartenweiler, Volker Hauer, Claude und Rolf Städler im Interview über den Generationenwechsel bei der awit.

Treuhand-Arbon

Um was geht es?
Rolf: Mit einfachen Worten – es geht um den Generationenwechsel bei der awit. Volker Hauer, Daniel Wartenweiler und Claude Städler haben vor vier Jahren die Aktien übernommen und nun vollumfänglich erworben. Aktuell sind wir in den finalen Schritten – am Übertrag der operativen Leitung.

 

Solche Veränderungen bei einem eingespielten und erfolgreichen Team kann zu Verwerfungen führen. Wie ist das bei awit?
Daniel: Wir wollten einfach auch zeigen, dass eine frühzeitige und stufenweise Nachfolge sehr gut möglich ist. Wir arbeiten besser denn je miteinander zusammen. Das kommt vielleicht daher, dass wir schon immer eine flache Hierarchie hatten und jeder bei seiner Arbeit gewohnt ist, Verantwortung zu tragen.

 

Eine solche Firma kann auch teuer sein. Wie habt ihr den Kaufpreis finanziert?
Volker: Wir haben es uns erarbeitet. Mit viel Vertrauen zueinander und gemeinsamen Zielen geht so etwas gut. Mit dem gemeinsam erzielten finanziellen Erfolg konnten wir einen fairen Preis bezahlen – notabene für den Verkäufer steuerfrei.

 

Ihr vereint eigentlich nicht zwei sondern drei Unternehmergenerationen. Wirft das Gesprächsstoff auf?
Claude: Manchmal schon, ja. Ich würde das aber eher den unterschiedlichen Menschentypen zuordnen. Ich bin mit 33 Jahren der Jüngste der neuen Inhaber-Crew, aber der Klügste im Bunde -;) kürzlich habe ich die Prüfung zum dipl. Treuhandexperten erfolgreich abgeschlossen. Eine Nachfolge kann auch eine rollende Partner-Übung sein. Von Generation zu Generation.

Ich freute mich auf Lösungen, welche nicht auf der Hand lagen.

Daniel Wartenweiler

Inwiefern spielt das Alter bei awit eine Rolle?
Rolf: Das kommt auf die Problemstellung drauf an. Bei den Silberrücken strahlt schon die Farbe ein tiefes Verständnis aus. Ich habe schon viele Situationen erlebt, positiv wie negativ. Das gibt einen grossen Erfahrungsschatz. Die Middle-Ager bringen Kontinuität und Zug mit in die Praxis. Die Youngsters viel Know-how bei der Anwendung der neuesten Technologien und natürlich auch Zugang zur nächsten Unternehmergeneration. Am besten also hat man alle Altersgruppen in der Firma.

 

Wie wird sich die awit verändern?
Daniel: Wir betrachten Veränderungen als notwendig. Die Frage ist nur, ob sie geplant sind. Den Prozess zur Übergabe der operativen Leitung haben wir vor vier Jahren eingeleitet. Für uns also keine Überraschung. Insofern werden die Kunden davon nichts merken. Wir versuchen weiterhin unser Bestes zu geben.

 

Werden sich Eure Dienstleistungen verändern?
Claude: Haben wir nicht vor, nein. Mit unseren vier Bereichen (Steuern/Recht, M&A, Immobilien, Treuhand) sind wir sehr gut aufgestellt. Wir decken damit thematisch viele Spezialfälle ab. Zudem haben wir zu jedem dieser Kompetenzbereiche eine geeignete Leaderfigur.

Ich wollte nie ein überzähliger Unternehmer werden.

Rolf Städler

Wer wird die Leitung der Firma übernehmen?
Volker: Einer von uns wird das Präsidium des Verwaltungsrates übernehmen. Rolf wird weiterhin im VR seine Stimme haben. Rein operativ wird jeder seinen Bereich im Sinne unseres Slogans: «Zusammen einfach Mehr» führen. Wir werden die awit zu Dritt leiten. Wenn es Meinungsverschiedenheiten geben sollte, beraten wir uns zu viert.

 

Ernsthaft, Rolf, Du hast im Alter von 52 Jahren Deine Firma verkauft, jetzt gibst Du mit 56 die operative Leitung ab. Warum so früh?
Rolf: Das werde ich oft gefragt. Ich wollte nie ein Unternehmer werden, der rauskomplimentiert wird. Auf dem Zenit sollst Du abtreten, was ja nicht bedeutet, dass man nicht mehr arbeitet. Meine Nachfolger haben es auch verdient – es sind langjährige Mitarbeiter. Da wäre es sehr unanständig gewesen, wenn ich eine externe Lösung gesucht hätte. Im Beratungsgeschäft ist Kontinuität sehr wichtig. Und die ist bei der awit traditionell schon jahrelang sehr gut.

 

Lass uns in dein Inneres schauen.
Rolf: So wie ich in meinen Beratungen zu Veränderungen provoziere, so mache ich das auch für mich. Es gibt kaum ein Thema das mehr polarisiert, wenn Unternehmer sich nicht bewegen wollen. Sie machen auf Wohlstandserhalt und retten sich über die Ziellinie. Das bringen vielleicht auch die unterschiedlichen Lebensabschnitte mit sich. Ich will zu jenen gehören, die auch eine persönliche Veränderung aktiv planen. Kein Zufall ist es, dass bei awit die Voraussetzungen dazu auch vorhanden waren. Allerdings war es mehr ein Wunsch als ein Plan, dass wir nun diese Lösung so umsetzen konnten. Manchmal braucht man auch Glück dazu.

 

Was wird die Herausforderung sein?
Claude: Zum Glück können wir noch einige Jahre auf die Mitarbeit von Rolf zählen. Ich kenne ihn gut, er wird nicht stillsitzen können. Das Beratungsgeschäft hat sich in den letzten Jahren schon massiv geändert. Digitalisierung, Kundenbedürfnisse, Medien und Arbeitswerkzeuge. Dieses Karussel wird sich nicht beruhigen. Unsere Strategie zur Spezialisierung hat sich bewährt. Daran wollen wir festhalten. Jeder muss in seiner Arbeit zur Hochform auflaufen.

 

Gibt es noch andere Veränderungen bei der awit?
Volker: Wir werden uns personell noch verstärken. Die Komplexität und die Volumina haben in den letzten fünf Jahren stark zugenommen. Wir sind bei der Auswahl sehr wählerisch. Wir nehmen gerne Männer wie auch Frauen auf, die gierig auf neues Wissen sind.

 

Weiter?
Daniel: Wir machen keine Sprünge, nur weil wir jetzt Sprünge machen sollten. Es muss Sinn machen. Die Standorte Arbon und Appenzell sind optimal für uns. Die Liegenschaft an der Landquartstrasse 3 in Arbon wurde letztes Jahr sehr schön renoviert. Wir fühlen uns wohl und geehrt, in dieser sagenumwobenen Liegenschaft arbeiten zu dürfen. Legte doch vor mehr als 100 Jahren jemand in dieser Liegenschaft den Grundstein für die heutige prosperierende Region.

Konkret, wie wird deine Arbeit in Zukunft aussehen? Was können die Kunden erwarten?
Rolf: Ich werde selbstverständlich weiterhin für meine Kunden da sein. Meine Verwaltungsratsmandate werde ich mit aller Kraft weiterführen – solange es mich braucht. Den Fachkompetenzbereich M&A werde ich weiterhin mit grossem Elan anleiten. In diesem Bereich konnten wir seit Jahren schöne Erfolge feiern.

 

Das klingt so, als ändere sich überhaupt nichts bei dir.
Rolf: Ja, das kann sein. Ich hatte ein Ziel: die Freiheit der Entscheidung. Ob ich jetzt arbeite oder nicht, spielt keine Rolle. Aber ich entscheide selbst darüber. Das gibt mir einen inneren Spielraum, den ich immer gesucht habe. Ich werde mich vermehrt um meine eigenen Beteiligungen kümmern, dabei auch neue Projekte unterstützen und last but not least will ich etwas mehr Zeit für meine Familie und Freunde einsetzen. Selbstsorge bedeutet für mich, etwas für andere zu tun. Egal in welchem Lebensbereich.

Ich fühle mich bereit, Gas zu geben.

Claude Städler

Was soll noch gesagt sein?
Volker: Ich freue mich auf die kommende Zeit und bin gespannt, was die Zukunft für uns bereithält. Wir würfeln uns neu. Ich bin seit über 20 Jahren bei der awit. Ich habe als Rookie in der Beratung angefangen und kann nun das Zepter als Mitinhaber und Partner führen. Das wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Umso motivierter bin ich, diesen neuen Weg mit meinen Partnern zu gehen.

 

Daniel: Ich habe vor mehr als 12 Jahren aus der Steuerverwaltung in die Beratung gewechselt. Ein grosser Schritt. Dank der Begleitung und Vorbild konnte ich den Paradigmenwechsel vollziehen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich kann meine Erfahrungen vor allem in den Bereichen Steuern und Recht sehr gut umsetzen und freue mich, wenn Lösungen gelingen, die nicht auf der Hand lagen.

 

Claude: Und es geht doch: eine Vater-Sohn-Beziehung in einem Unternehmen. Es braucht gar nicht so viel, nur eine offene Gesprächskultur und spitze Ohren. Ich habe in den letzten 13 Jahren enorm viel lernen dürfen. Ich fühle mich jetzt auch bereit, diese Position auszufüllen und für die awit Gas zu geben. Auch bereit fühle ich mich, meine Erfahrungen als «Unternehmer-Sohn» weiterzugeben.

 

Rolf: Was bleibt sind Gefühle und Freundschaften. Alles andere vergilbt mit dem Laufe der Zeit. Ausnahmslos alle Mitarbeiter/innen und Kunden sind mir ans Herz gewachsen. Sie wurden zu Freunden/innen. Was da entstanden ist, die Arbeitsplätze, die vielen guten Ideen, die Kämpfe, die Windungen – alles das konnte nur entstehen, weil viele Menschen ihr Bestes gegeben haben. Das macht mich demütig und dankbar. Ganz besonders dankbar bin ich, dass mein Sohn Claude ein Part meiner Nachfolge übernimmt. Ich kann es kaum erwarten, die awit mit ihrem ganzen Team in vielen komplexen Aufträge und Themen erfolgreich zu sehen.

 

Gemeinsam einfach mehr – auch in der Zukunft!

 

Daniel, Volker, Claude und Rolf