Hot Spots 2020 – die wichtigsten Neuerungen im neuen Jahr

Bezugssteuer
Immer wieder herrscht eine Unsicherheit bei den Steuerpflichtigen, welche Leistungen der Bezugssteuer unterliegen. Zur Erinnerung: Die Bezugssteuer wurde geschaffen, um die Leistungen jener ausländischen Dienstleistungserbringer steuerlich zu erfassen, welche in der Schweiz nicht der MwSt-Pflicht unterliegen (es geht explizit nur um den Bereich Leistungen und nicht Lieferungen). Bei steuerpflichtigen Unternehmen sind diese Leistungen als Bezugssteuer zu versteuern, die daraus resultierende MwSt kann aber im selben Atemzug als Vorsteuer wieder geltend gemacht werden. Per 01.01.2018 wurde die Umsatzgrenze zur Erlangung der MwSt-Pflicht in der Schweiz für ausländische Unternehmen auf CHF 100‘000 weltweiten Umsatz gesenkt (im DL-Bereich). Was bedeutet dies für die Bezugssteuer? Im Grundsatz sind durch die Gesetzesanpassung viele ausländische Unternehmen in der Schweiz MwSt-pflichtig geworden.  Ausgenommen hiervon sind aber explizit Unternehmen, welche weiterhin Leistungen erbringen, welche auch nach neuer Regelung weiterhin der Bezugssteuer unterliegen, und zwar Leistungen, welche dem Empfängerortsprinzip unterliegen, spezifizierbar wie folgt:

• Abtretung und Einräumung von immateriellen Rechten (Lizenzen und/oder Software-Abos)
• Leistungen auf dem Gebiet der Werbung
• Leistungen von Beratern, Vermögensverwaltern, Treuhändern, Anwälten etc.
• Managementdienstleistungen
• Datenverarbeitung
• Personalverleih
• Telekommunikations- oder elektronische Dienstleistungen (Telefonie, Internet, Roaming, Internetfernsehen, Bereitstellen von Webseiten, Webhosting etc.)

Diese Leistungen unterliegen weiterhin dem reverse-charge-Verfahren und sind entsprechend mit der Bezugssteuer abzurechnen. Achtung: Wenn ein ausländischer Leistungserbringer in der Schweiz MwSt-Pflichtig ist, aber seiner Pflicht der Anmeldung nicht nachkommt, so ist der Leistungsempfänger weiterhin verpflichtet, diese Leistungen mit Bezugssteuer zu deklarieren und abzurechnen, auch wenn rechtlich dies gar kein Tatbestand der Bezugssteuer darstellt!

Elektronische Einreichung MwSt-Abrechnung
Es wurde bereits durch die Eidg. Steuerverwaltung angekündigt, nun ist es fix: Ab dem 01.01.2021 wird kein automatischer postalischer Formularversand der MwSt-Abrechnungen mehr erfolgen. In expliziten Einzelfällen können MwSt-Abrechnungsformulare noch telefonisch bestellt und dann auf dem Papierweg eingereicht werden, aber im Grundsatz ist die Einreichung der MwSt-Abrechnung nur noch auf dem elektronischen Weg vorgesehen. Falls noch nicht geschehen, empfehlen wir, die notwendigen Umstellungen im Laufe des Jahres vorzunehmen.

Steuersatzerhöhung
Und bereits jetzt eine frisch publizierte Ankündigung: Aller Voraussicht nach wird der Normalsatz bei der MwSt per 01.01.2022 auf 8,4% angehoben werden, wir halten Sie diesbezüglich stets auf dem Laufenden, spätestens, sobald der Gesetzgeber diesen Plan final verabschiedet hat.

Inhaberaktien
Inhaberaktien stehen schon länger im Fokus internationaler Regelungen wie OECD, da diese zu wenig Transparenz bieten betreffend Eigentümerschaft. Entsprechend gilt:

• ab dem 1. November 2019 sind neue Inhaberaktien nur bei Börsenkotierung oder Ausgestaltung als Bucheffekten noch zulässig;
• ab dem 1. Mai 2021 werden Inhaberaktien, welche diesen Kriterien nicht entsprechen, zwangsweise umgewandelt in Namenaktien;
• Inhaberaktien, welche nicht mit Namen zugeordnet werden konnten zu diesem Zeitpunkt, werden automatisch als nichtig erklärt per 1. November 2024 (mit grundsätzlichem Entschädigungsanspruch, welcher anschliessend nach 10 Jahren erlischt).

Sollten also noch Unternehmen mit Inhaberaktien bestehen, welche nicht den beiden genannten Kriterien entsprechen, empfehlen wir sofortige Massnahmen einzuleiten, um den gesetzlichen Anforderungen nachzukommen, faktisch werden Inhaberaktien in Zukunft ausser bei börsenkotierten Unternehmen nicht mehr erlaubt sein.

Verzeichnis wirtschaftlich Berechtigte
Nicht nur für Meldungen an Finanzinstitute, sondern auch i.S. des Obligationenrechts Art. 697j gilt wie folgt: Wer allein oder in gemeinsamer Absprache mit Dritten Aktien einer Gesellschaft, deren Aktien nicht an einer Börse kotiert sind, erwirbt und dadurch den Grenzwert von 25 Prozent des Aktienkapitals oder der Stimmen erreicht oder überschreitet, muss der Gesellschaft innert Monatsfrist den Vor- und den Nachnamen und die Adresse der natürlichen Person melden, für die er letztlich handelt (wirtschaftlich berechtigte Person).

Das bedeutet: Werden 25% oder mehr der Aktien durch eine Gesellschaft gehalten, oder besteht kein Aktienbuch, so ist ein Verzeichnis zu führen mit dem am Ende verantwortlichen und handelnden Aktionären resp. den dahinterstehenden natürlichen Personen. Gerne unterstützten wir Sie bei der Erstellung dieses Verzeichnis.

Volker Hauer
Partner
Leiter Kompetenzbereich Treuhand
dipl. Betriebswirtschafter HF
dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling

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