Kurzarbeit infolge COVID-19 / Fluch oder Segen?

Wie allen bekannt sein sollte, hat der Bundesrat am 25. März 2020 ein umfassendes Massnahmenpaket in der Höhe von über 40 Milliarden Franken zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus beschlossen. Ziel der auf verschiedene Zielgruppen ausgerichteten Massnahmen ist, Entlassungen zu vermeiden, die Beschäftigung zu erhalten, Löhne zu sichern und Selbständige aufzufangen. Die Massnahmen sollen schnell und zielgerecht wirken.

Nachfolgend werde ich auf eine der Massnahmen, die Beantragung von Kurzarbeit und deren Umsetzung näher eingehen, möchte es aber nicht unterlassen, vorab auch ein paar persönliche Überlegungen zu allen vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen zu äussern. In meiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung habe ich mal gelernt, dass die Liquiditätsreserve einer Unternehmung für drei Monate ausreichen sollte. Auch in unserer Beratung weisen wir sehr oft auf fehlende Liquiditätsreserven hin. Natürlich wurde in der Vergangenheit nicht an ein Szenario gedacht wie wir es nun erleben. Aber als Miteigentümer eines Unternehmens, bin ich persönlich der Meinung, dass sich jeder Unternehmer, vor der Beanspruchung jeglicher gemäss Bundesratsbeschluss zur Verfügung gestellter Mittel, die Frage stellen muss, kann ich vorerst nicht darauf verzichten und beanspruche stattdessen einen Teil der vorhandenen Liquiditätsreserven zur Überbrückung. Es kann ein “starkes“ Zeichen gegenüber den Mitarbeiter/-innen sein und es kann sicherlich auch die Aussenbetrachtung oder das Rating einer Unternehmung beeinflussen, wenn auf Kurzarbeit oder die Beantragung von COVID-19 Krediten verzichtet wird. Diesbezüglich möchte ich auch an die Aussage des Bundesrates verweisen, welche an die Eigenverantwortung jedes Unternehmers appelliert. Es ist mir aber auch klar, dass es viele Unternehmen gibt, welche sich diese Frage mangels Liquiditätsreserven gar nicht stellen können und da ist die Beantragung von Kurzarbeit ein gutes Mittel die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten.

Im Gegensatz zu den geltenden Bestimmungen zur Kurzarbeit (KAE) wurden im Fall von COVID-19 das Verfahren vereinfacht und angepasst. Nachfolgend wird vor allem auf diese Vereinfachungen und Anpassungen eingegangen.

Voranmeldung

  • Die Frist zur Einreichung der Voranmeldung wurde aufgehoben;
  • Das neu geschaffene vereinfachte Formular  “COVID-19 Voranmeldung Kurzarbeit“ ist bei der Kantonalen Amtsstelle einzureichen;
  • Die Bewilligungsdauer für Kurzarbeit wurde von 3 auf 6 Monate verlängert;
  • Die Begründung der Kurzarbeit kann kurzgehalten werden respektive muss glaubhaft gemacht werden;
  • Organigramm des Gesamtbetriebes, bei Geltendmachung für einzelne Betriebsabteilungen (inkl. Anzahl Mitarbeitende pro Organisationseinheit ist miteinzureichen).

Im Gegensatz zum normalen Verfahren ist es nicht notwendig, die schriftliche Einwilligung der von der Kurzarbeit betroffenen Mitarbeitenden miteinzureichen. Der Arbeitgeber bestätigt allerdings auf der Voranmeldung, dass die Mitarbeitenden mit der Kurzarbeit einverstanden sind, daher empfiehlt es sich, dieses Einverständnis zumindest mündlich einzuholen und allenfalls später auch noch schriftlich zu bestätigen. Die Voranmeldung wird von den zuständigen Amtsstelle geprüft, welche danach schriftlich mitteilt, ab wann der Anspruch für Kurzarbeit gestellt werden kann. Von der Arbeitslosenkasse folgt in der Regel nachfolgend ein Schreiben, welche Unterlagen einzureichen sind.

Abrechnung

  • Die Abrechnung und Beantragung der KAE kann frühestens nach Ablauf des Abrechnungsmonates mit dem Formular “COVID-19 Antrag und Abrechnung Kurzarbeitsentschädigung“ bei der zuständigen Arbeitslosenkasse eingereicht werden. Das vereinfachte Formular beinhaltet nur noch fünf notwendige Angaben;
  • Die Karenzfrist in Bezug auf KAE wurde aufgehoben;
  • Die KAE kann auch für Personen in befristeten Arbeitsverhältnissen und Lehrlinge beansprucht werden;
  • Die KAE kann auch für Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung und deren Ehegatten oder eingetragenen Partners beantragt werden, der versicherte Verdienst ist allerdings auf CHF 4‘150 beschränkt;
  • Die KAE kann auch für Personen beantragt werden, welche nicht arbeiten können, weil sie aufgrund ihrer  Erkrankungen zu den besonders gefährdeten Personen zählen;
  • Bestehende Überzeiten müssen nicht vor dem Bezug von KAE abgebaut werden.

Die Praxis in den einzelnen Kantonen ist nicht ganz einheitlich, aber aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen sind mit dem COVID-19 Antrag/Abrechnung betriebliche Unterlagen zu den Sollstunden, Übersicht der Stundenabrechnungen bzw. Auszüge aus der Arbeitszeiterfassung des Betriebes, Lohnabrechnungen vor Kurzarbeitsbeginn oder Lohnjournal (vom Monat Februar, wenn ab Monat März KAE beantragt wird) sowie ein aktueller HR-Auszug (Online Auszug reicht) miteinzureichen. Die Beantragung von KAE setzt zwingend voraus, dass für die betroffenen Arbeitnehmenden eine betriebliche Arbeitszeiterfassung geführt wird. Diese beinhaltet die täglich geleisteten Arbeitsstunden inkl. allfälliger Mehrstunden und die wirtschaftlich bedingten Ausfallstunden sowie sämtliche übrigen Absenzen (z.B. Ferien-, Krankheits-, Unfall- oder Militärdienstabwesenheiten).

Fazit
Das Verfahren wurde vereinfacht. Spätestens bei der Beantragung der Auszahlung werden aber sicherlich einige Fragen auftauchen. Es ist auch schwierig im “Dschungel“ der verschiedenen Informationen den Überblick zu behalten und die neusten Praxisanpassungen zu berücksichtigen. Zögern Sie also nicht, Ihre Fachspezialisten bei der awit zu konsultieren. Gerne werden wir Ihnen bei Fragen zur Anmeldung, Beantragung und Abrechnung von KAE, bei Fragen zur betrieblichen Arbeitszeiterfassung oder zu anderen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten weiterhelfen.

Daniel Wartenweiler
Partner
Sozialversicherungsfachmann mit eidg. Fachausweis
Treuhänder mit eidg. Fachausweis
Experte Arbeitsrecht / Zertifikat Schulthess

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